TexBlogbeiträge zum Thema Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage

Tagebuch eines Investors in Crash-Zeiten - Corona Chronicles


Tagebuch eines Investors während der Corona-Krise (in Crash-Zeiten)


Aktualisierungen erfolgen in regelmäßigen Abständen. Erläuterungen findet ihr am Ende des Beitrags.

31.03.2020 – Ein Hin- und Her






Portfolio (Asset Allocation), Entwicklung*
Ca. -2,2 %
Prognostizierter max. Verlust gem. Risikomodell
-6,9 %
MSCI World Index (zum Vergleich)*
- 20 %

* Entwicklung seit dem 01.02.2020


Ereignisse:

Über 800.000 Infektionen weltweit. China scheint über den Berg zu sein. Europa und die USA sind das neue Epizentrum. Die Zahlen in den USA steigen derzeit rasant. Und die Märkte? Steigen... es gab eine recht starke Erholung, die sich behaupten konnte. Aber ob das so bleibt? Häufig kommt der zweite Kursrutsch noch hinterher. Wir werden sehen. Erfreulich: Unser progonostizierter maximaler Ausfall ist etwas gesunken. Dies lag an Rückflüssen und Erträgen, die jetzt auch nicht vollständig reinvestiert wurden. Dies verschafft uns weitere Möglichkeiten in der aktuellen Lage. Jedenfalls haben nicht nur die Notenbanken ihre Geld-Bazooka, sondern auch wir. Und diese ist nun bereit für Investitionen.

Wie sieht es im Bereich der P2P-Kredite aus?
Hier merkt man bei einigen Plattformen die Folgen der Coronakrise deutlich. Monethera? Dicht gemacht. Grupeer? Scheinbar keine Auszahlungen mehr, das Management duckt sich weg, viele Gerüchte (lassen wir aber mal unkommentiert). Waren wir hier investiert? Nein, war nie ein Business case für uns. 

Aber auch "große" Plattformen, wie Mintos oder Bondora haben im Moment u.a. das Problem, dass Investoren wohl massenweise Geld abziehen wollen. Das man sein Risiko reduzieren will, ok. Aber das grenzt einfach nur an Panik und unüberlegtes Handeln. Tipp: Wenn man Risiken nicht einschätzen kann, sollte man sich notfalls einen unabhängigen Honoberater holen. Nur, wen Liquidität komplett rausgezogen wird, ist das Problem bzw. das größte Risiko der Investor an sich! Um es sinnbildlich dazustellen: Eine Bank kann gute Gewinne machen, wenn aber jeder kommt und seine Einlagen abhebt, droht auch der profitabelsten Bank die pleite. Und am Ende ist die Bank schuld? So einfach ist es wohl doch nicht...



25.03.2020 – Shutdown in Europa, USA als neues Opfer?






Portfolio (Asset Allocation), Entwicklung*
Ca. -1,7 %
Prognostizierter max. Verlust gem. Risikomodell
-7,5 %
MSCI World Index (zum Vergleich)*
- 20 %

* Entwicklung seit dem 01.02.2020


Ereignisse:

Das Coronavirus breitet sich nun wirklich exponentiell aus. Über 430.000 Infektionen weltweit. China scheint über den Berg zu sein. Europa und die USA sind das neue Epizentrum. Die Zahlen in den USA steigen derzeit rasant. Die Volatilität an den Märkten ist enorm. Heute und gestern sind Indizes teilweise um 10 % und mehr gestiegen. Vermutlich bedingt durch die massiven Geldschleusen der Notenbanken und Staaten, die nun geöffnet werden.

Durch diesen Anstieg haben sich die Verluste mit Portfolio auf gerademal -1,7 % reduziert. Auch wenn es einen kleineren Put zerschossen hat. Das ist aber nicht weiter tragisch.


Die Renditen für P2P Kredite, aber auch Anleihen (vor allem im Junk Bereich) sind deutlich angestiegen. Auf der einen Seite lukrativ und chancenreich, auf der anderen Seite steigen die Ausfallwahrscheinlichkeiten mit jedem Tag, an dem die Wirtschaft still steht. Dafür muss man kein Hellseher sein...


PS: Die P2P Conference in Riga wurde auf das 4. Quartal 2020 verschoben.


Unsere Einschätzung:

Wir rechnen nur mit einer Momentaufnahme an der Börse was die Erholungsphase angeht. Dafür gibt es noch zu viele Unsicherheiten. Wie entwickelt sich die Situation mit Corona-Infizierten in den USA? Wie lange dauern die Shutdowns? erden Krankenhäuser mit genug Schutzausrüstung und Material versorgt? 

Auch wenn sich die Verluste im Moment reduziert haben und man bei diesem Szenario mit einen guten Plus am Jahresende rechnen könnte, so sollte man nicht naiv sein und sich blenden lassen. Möglich ist noch vieles, sowohl positiv als auch negativ.

Christian Lindner (FDP) hatte im Bundestag zur beschlossenen Neuverschuldung der Bundesrepublik geäußert. Auf der einen Seite sind Hilfen jetzt notwendig, auf der anderen Seite merkte Lindner an, man müsse sich Gedanken machen, wer diese Schulden in Zukunft zahlen solle...


19.03.2020 – Coronavirus in Europa angekommen






Portfolio (Asset Allocation), Entwicklung*
Ca. -2,8 %
Prognostizierter max. Verlust gem. Risikomodell
-7,5 %
MSCI World Index (zum Vergleich)*
- 28 %

* Entwicklung seit dem 01.02.2020


Ereignisse:

Das Coronavirus breitet sich aus. Über 222.000 Infektionen weltweit. China scheint über den Berg zu sein. Europa ist das neue Epizentrum. Aktien fallen ins Bodenlose. Chinesische Investoren kaufen bereits zu (siehe u.a. Daimler).

Eine solche Volatilität an den Märkten gab es noch nie. Selbst Börsenlegenden wie Warren Buffett sagen, dass sie so etwas noch nie gesehen haben. Für die Weltwirtschaft steht viel auf dem Spiel.


Angesichts der rasch fallenden Kurse in den meisten Asset-Klassen (selbst Gold fällt, obwohl es immer als Krisenwährung gepriesen wurde), fällt der Gewinn, den wir mit Short-Positionen (7,7 % Rendite) in kürzester Zeit gemacht haben, leider nicht so stark ins Gewicht. Leider einer der traurigsten Gewinne in unserer Karriere…


Traurigerweise wurde auch die Invest 2020 in Stuttgart abgesagt. Wir hatten uns gefreut viele bekannte Gesichter wieder zu treffen. Aber die Gesundheit aller geht natürlich vor. Dann eben im nächsten Jahr! 👍


Unsere Einschätzung:

Bodenbildungen scheinen bisher nicht gefunden zu sein an den Börsen. Entscheidend wird jetzt sein, wie lange die Shutdowns und Maßnahmen der Länder dauern und ob diese erfolgreich sind. Machen wir uns nichts vor, mehrere Monate Stillstand wären der Super-Gau für die Weltwirtschaft und der Beginn einer möglichen tiefen Rezession…


Genauso wäre dies wohl mit katastrophalen Ausmaßen für den P2P- und Crowdinvestingbereich verbunden. Bleibt zu hoffen, dass die Phase des wirtschaftlichen Stillstands nicht allzu lange andauert.


Was man bei all dem nicht vergessen sollte: Jeder von uns ist auch selbst in der Verantwortung. Helft Menschen die Hilfe benötigen und haltet euch an die Vorgaben (soziale Distanz, Händewaschen, etc.). In China und Südkorea sinkt die Zahl der Infizierten, das sollte Anreiz genug sein.


01.02.2020  - Beginn der Coronakrise




Portfolio (Asset Allocation), Entwicklung*
1,4 % (die ersten beiden Monate, nur realisierte Gewinne berücksichtigt), auf das Jahr hochgerechnet 8,4 % p.a.
Prognostizierter max. Verlust gem. Risikomodell
-7,5 %
MSCI World Index (zum Vergleich)*
+3,4 %

* Entwicklung seit dem 01.01.2020


Zu diesem Zeitpunkt breitete sich das Virus in China stark aus. Europa war so gut wie nicht betroffen. Risiken durch das Virus wurden noch nicht als dramatisch eingestuft.



Zum Hintergrund:


Auf zahlreichen Messen und Veranstaltungen für Finanzen war das Thema Risikomanagement nie besonders populär. Auf unsere Strategie angesprochen, erklärten wir, dass wir ein datenbasiertes Risikomodell für unsere Asset Allocation (also unser Portfolio) nutzen. Das wurde meist nur Müde belächelt oder es war schlicht kein Interesse vorhanden. Risikomanagement? Risikomodelle? Langweilig! Zu komplex! Was soll das bringen?


Nun zeigt sich, was unser Modell in der Praxis kann. Wir sind mitten in einer der größten und auch traurigsten Finanzkrisen, ausgelöst durch das Coronavirus.

Unser Modell basiert auf Risikomodellen, wie es Banken anwenden (müssen). Diese Modelle haben wir für uns als Investoren angepasst. Es ist sozusagen ein Risikomodell für Anleger (privat oder institutionell).


Unser Modell ging Stand 01.02.2020 von einem maximalen Verlust des gesamten Portfolios von ca. 7,5 % aus. Zum Portfolio gehören u.a. Aktien, P2P-Kredite, Anleihen, Derivate, Crowdinvesting, FX, Immobilien, Einlagen, usw. Das wäre das Szenario einer Finanzkrise mit ähnlichen Effekten wie bei der Krise 2008. Dabei wird jedoch angenommen, dass die Banken stabiler dastehen als vor der Krise und die Notenbanken das Finanzsystem durch niedrige Zinsen und Liquidität stützen. In dem Szenario ist die Apokalypse natürlich nicht enthalten. Und davon gehen wir nicht aus. Auch die Toilettenpapier-Krise werden wir überwinden…




Über uns:


Capital Insider ist ein Finanzblog von Insidern aus der Praxis.

Wir kommen aus der Praxis. Das heißt wir arbeiten im Finanzbereich bei renommierten Finanz- und Prüfungsgesellschaften und freuen uns, wenn wir unsere Leidenschaft über diesen Blog teilen können. Was bei uns den Unterschied macht? Die fachliche Qualifikation direkt aus der Praxis und exklusive Einblicke, die vielleicht die Wenigsten haben. Zudem sind wir als Investoren aktiv und können daher unsere Erfahrungen teilen.

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Hinweis: Keine Anlageberatung – die Autoren schreiben hier über persönliche Erfahrungen.

Kommentare

  1. Und dann kaufen die Chinesen billig ausländische Aktien auf...

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